Ich kehre gerne in meine Heimat Kaplice zurück, obwohl ich schon Österreich als meine Heimat betrachte.

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Margaretha Hecht wurde am 7. Juli 1935 in Kaplice, Südböhmen, als erstes Kind von Karl und Maria Ruschak, deutschen Lebensmittelhändlern, geboren. Die Bevölkerung von Kaplice war überwiegend deutschsprachig, aber die Kinder spielten gemeinsam mit den wenigen tschechischen Kindern. Im Jahr 1938 begrüßten die Einwohner von Kaplice die Ankunft der deutschen Armee mit Begeisterung, und Margarethas Mutter Marie war eine der wenigen, die eindeutig dagegen waren. Ihr Vater meldete sich 1942 zur deutschen Armee und diente als Sanitäter zunächst in Frankreich, dann in Russland und schließlich in Warschau, von wo er per Flugzeug in die Tschechoslowakei evakuiert wurde. Aus dem Gefangenenlager in Karlovy Vary wurde er nach Österreich entlassen, wo seine Familie Verwandte und Freunde hatte. Im November 1945 gelangte auch seine Mutter mit ihren Kindern und Großeltern nach Österreich, und die Familie bewohnte ein Zimmer auf einem Bauernhof in dem kleinen Dorf Scharten bei Eferding. Beide Eltern arbeiteten zunächst auf dem Hof, später fand der Vater Arbeit in Wels bei Linz, wo sich die Familie nach vier Jahren niederließ. Hier besuchte Margaretha Hecht die Handelsakademie und wurde Stenotypistin bei Knorr. Später arbeitete sie in diesem Unternehmen als Assistentin des Leiters der Marketingabteilung. Sie heiratete 1961 und adoptierte 1969 ihr einziges Kind. Nach Kaplice kam sie erstmals Ende der 1950er Jahre, als sie und ihre Eltern die österreichische Staatsbürgerschaft annahmen. Die erste Rückkehr war traurig und schmerzhaft, aber später erkannte sie, dass diejenigen, die nach Österreich gingen, ein besseres Leben hatten als diejenigen, die in der Tschechoslowakei blieben. Sie kehrte oft und gerne nach Kaplice zurück, auch wenn sie Österreich als ihre Heimat betrachtete.